Schellack (E 904) ist eines der typischen Produkte, bei denen das Unwissen um den Herstellungsprozess gepaart mit der natürlichen Abneigung gegenüber Läusen zu Einstellungen führt, die nicht unbedingt gerechtfertigt sein müssen. Es wird eingesetzt unter anderem bei Süßwaren, Schokolade, Nüssen, Kaffeebohnen und einigen Nahrungsergänzungsmitteln.
Schellack wird natürlich gewonnen von den mit Harz überzogenen Zweigen des Lackbaumes. Auf Bäumen wie Pappelfeigen lebende Lackschildläuse ernähren sich von den Pflanzensäften dieser Bäume. Sie stechen den Baum an, nehmen seinen Saft auf und scheiden die harzartigen Substanzen wieder aus, die dann die Laus umschließen. Die jungen Läuse entwickeln sich geschützt in dieser Harzblase und bohren sich nach einiger Zeit durch das Harz heraus. Die Harzabscheidung bleibt zurück. Diese Harzabscheidung ist Ausgangsprodukt für die Schellackgewinnung. Die harzig umkrusteten Zweige werden abgeschnitten, gesammelt und das Harz vom Holz getrennt. Der Rohstoff wird gemahlen, gewaschen und getrocknet.
Nach überwiegender islamischer Auffassung ist Schellack halal. Denn es handelt sich um nichts anderes als eine Art Umwandlung von Pflanzlichem mit Hilfe eines Insektes, vergleichbar der Honiggewinnung. Manche bewerten es aber auch unterschiedlich! Sie sagen, dass man keine Läuse und deren Ausscheidungen essen darf. Andere urteilen, dass es ein Harz ist, der lediglich von der Laus behandelt wurde, wie z.B. der Nektar von der Biene zu Honig verwandelt wird.
Während die Zertifizierer in Deutschland Schellack als halal einstufen, ist es bei Echtem Karmin etwas komplizierter.
Die Karminsäure Echtes Karmin (E 120) ist ein roter Farbstoff, der zuweilen der Wurst zugegeben wird, damit sie rötlicher und somit frischer wirkt. Er wird aus getrockneten weiblichen Schildläusen gewonnen, aus der Cochenille-Schildlaus (in Mittelamerika in Plantagen kultiviert). Eine synthetische Herstellung ist zwar auch möglich, bisher aber nicht überwiegend, da dies noch zu teuer ist. Während die synthetische Herstellung unstrittig halal ist, liegt bei der natürlichen Herstellung ein prinzipieller Unterschied zum zuvor beschriebenen Schellack vor. Denn hier wird ein Teil der Laus selbst extrahiert. Daher werten viele Zertifizierer es nicht als halal. Einige Zertifizierer meinen, dass im Herstellungsprozess eine vollständige Zustandsänderung (Istihala) stattgefunden hat, so dass sie Echtes Karmin als halal einstufen.
Unabhängig davon, ob die eigene Rechtsschule bzw. die eigenen Gelehrten Echtes Karmin für halal einstufen oder nicht, ist der Kauf von Waren, in denen Echtes Karmin eingesetzt wird, ohnehin nicht zu empfehlen. Denn der zumeist einzige Grund des Einsatzes (der keine Auswirkung auf den Gechmack hat), dient dazu durch farbliche Manipulation eine Firsche bzw. bessere Qualität vorzutäuschen.
Ist es wirklich noch Helal wenn während der Gewinnung von Schellack auf den Ästen nicht gewartet wird bis die Läuse wieder weg sind und es samt den Läusen geerntet wird? Zweitens es wird oft in der Schellack Gewinnung mit Alkohol gearbeitet um diesen zu extrahieren dieser wird zwar danach verdunstet aber ist es dennoch Helal ?
Schellack stammt von der Lackschildlaus (Kerria lacca), die vor allem in Indien, Thailand und Teilen Südostasiens vorkommt. Die Insekten leben auf bestimmten Wirtspflanzen (z. B. Feigen-, Palas- oder Akazienbäumen) und scheiden während ihres Lebenszyklus ein harzartiges Sekret aus. Die Läuse setzen sich in großen Kolonien auf jungen Zweigen fest. Das ausgeschiedene Harz umhüllt sowohl die Insekten als auch die Zweige. Nach einigen Monaten entsteht eine harte, verkrustete Masse aus Harz, Insektenresten und Pflanzenteilen. Dieses Rohprodukt nennt man Sticklac.
Die befallenen Zweige werden abgeschnitten. Das Harz wird mechanisch von Holzresten getrennt. Bereits hier erfolgt eine grobe Reinigung. Der Sticklac wird in mehreren Schritten aufbereitet:
Zerkleinern und Waschen → Entfernung von Insektenresten, Wachs und Schmutz Ergebnis: Seedlac (körniges, vorgereinigtes Harz), Schmelzen und Filtern (traditionell über Baumwolltücher oder heute industriell), Ausziehen zu dünnen Filmen und Abkühlen
Nach dem Erkalten wird das Material zerbrochen zu Schellackflocken (handelsüblich). Farbvarianten: von hellblond bis dunkelbraun, abhängig von Reinigung und Bleichung
Schellack ist: biologisch abbaubar, lebensmitteltauglich (E 904), alkohollöslich, aber wasserunlöslich
Und damit wird auch die zweite Frage beantwortet: Nein Ethanol kommt während des Herstellungsprozesses nicht zum Einsatz, da das Material darin löslich ist und danach nicht zurückgewonnen werden kann. In weiteren einsatzgebieten kann es aber zum Einsatz kommen, was aber die Halal-fähigkeit von Schellack keinen Einfluss hat, da es ja bereits als Produkt vorliegt. Wir hoffen, das hilft weiter.